Sonntag, 7. Oktober 2012

Hakan Nesser: Am Abend des Mordes

Rezension "Am Abend des Mordes" von Hakan Nesser:




Inspector Barbarotti verliert seine Frau Marianne – und ist nun mit 5 Kindern allein. Mit diesem Verlust kommt er nur schwer klar. Als er nach diesem schweren Schicksalsschlag einige Zeit später wieder bei der Arbeit erscheint, bekommt er einen älteren Fall quasi als "Beschäftigungstherapie" zugeteilt: ein Mann ist spurlos verschwunden. Das Brisante hierbei: seine Ehefrau, die bereits ihren 1. Ehemann getötet und zerstückelt hat. Halbherzig begibt sich Barbarotti auf Spurensuche, immer begleitet von Trauer und Gedanken an seine verstorbene Frau, die ihn wie in Trance seine Arbeit verrichten lassen. 

Das Buch selbst macht mehrere Zeitsprünge, die Handlungsstränge sind in der heutigen Zeit und im Jahr 1989, als Rückblick auf den Mordfall und die damaligen, wirklich fürchterlichen Umstände, unter denen die mutmaßliche Mörderin leben musste. Schläge, Beschimpfungen, Vergewaltigungen – die Frau hatte es wirklich nicht leicht. 

Nach und nach packt den Inspector die Neugier - vor allem auch, weil er wissen möchte, warum er gerade diesen Fall von seinem Chef, der in einem Monat in Pension geht, bekommen hat. Er hat nämlich den Verdacht, dass sein Chef diesen Fall nicht zufällig ausgewählt hat.

Lange ist Barbarotti auf der Suche nach der mutmaßlichen Täterin, die zunächst spurlos verschwunden ist. Erst als er noch einmal über ein Gespräch mit ihrem Sohn Billy nachdenkt, kommt er drauf, wo sie sein könnte – und dort findet er sie auch. Billy selbst ist übrigens ein spezieller Junge – er musste, genau wie seine Mutter, früher viel Schläge und Beschimpfungen einstecken – und wohl infolge dessen sprach er früher nicht. Dieser Aspekt klärt am Ende dann auch die ganzen Umstände auf – jedoch nur in der Rückblende aus dem Jahr 1989, der Inspektor selbst hat keine Beweise für seine Mutmaßungen.

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Dies war der 5. und letzte Kriminalfall für Inspektor Barbarotti – am Ende wird klar, dass er keinen weiteren Fall mehr bearbeiten wird. Warum, das verrate ich natürlich nicht. Hakan Nesser hat es mit seinem Roman geschafft, eine Spannung aufzubauen, die einen das Buch quasi nicht mehr aus den Händen legen lässt.
Für meinen Geschmack waren jedoch einige Dinge etwas mysteriös beschrieben – u.a. eine Vision seiner verstorbenen Frau, die ihm erschien und ihm sagte, er würde Donnerstag Post von ihm bekommen. Und genauso war es dann auch – Glaube hin oder her, das fand ich dann doch etwas übertrieben.

Auch stört mich, dass der Fall nicht wirklich aufgeklärt wurde – für uns Leser schon, aber der Inspektor ermittelt nicht zu Ende. Wie er auf seine Schlüsse gekommen ist, fand ich auch etwas schwammig, dies würde nur ganz kurz abgehandelt.

Neben der Haupthandlung gibt es eine Nebenhandlung, nämlich einen weiteren Mordfall, den das Dezernat aufklärt – der allerdings absolut gar nichts mit Barbarottis Fall zu tun hat. Daher frage ich mich: warum wird er dann beschrieben? Um den Leser auf eine falsche Fährte zu bringen? Fand ich persönlich nicht so gelungen – die anderen Verdächtigen jedoch schon – man schießt sich direkt auf einen Verdächtigen ein und ist bis kurz vor Schluss fest überzeugt: „genauso muss es sein“ und wird dann doch überrascht.

Fazit:
Für Nesser-Fans auf jeden Fall lesenswert, für Krimi-Fans, die das ständige Blutvergießen lieben, jedoch nichts. Ich persönlich war gefesselt, aber am Ende enttäuscht über die Art, wie der Fall beendet wurde.
Daher vergebe ich 4 von 5 Sternchen.


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